Alltags-Wahnsinn

Theory of Mind (ToM)


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Hallo und guten Morgen ihr Lieben,

sagt euch die „Theory of Mind“, kurz ToM, etwas? Knapp gesagt geht es hierbei um die Fähigkeit, Gedanken, Überzeugungen, Wünsche und Absichten anderer Menschen zu erkennen und zu verstehen, damit deren Verhalten eingeschätzt und vorhergesagt werden kann, was sie im nächsten Schritt tun werden.

Auf den ersten Blick hätte ich vor Jahren behauptet, dass das bei mir genauso normal funktioniert wie bei den meisten anderen Menschen auch.
Allerdings, alleine aus dem Grunde, weil ich damit befasst war, abzuwehren, was mir möglicherweise eine Schuld zuschieben könnte. Und wenn bei mir was anders ist als es üblich ist, dann durfte das zum einen niemand wissen und zum anderen hatte ich mich anzustrengen, das zu verändern.

Heute jedoch weiß ich es besser.

Ich gerate in Konflikte, die mich zutiefst treffen und verletzen, weil meine ToM-Fähigkeiten deutlich beeinträchtigt sind. Eben ganz so wie es für Menschen im autistischen Spektrum üblich ist. Nur, dass ich diesbezüglich nie eine Diagnose erhalten habe, die irgendwo aufgetaucht wäre.
Was aber eben nichts daran ändert, dass ich so bin und so versuche durch mein Leben zu gehen.

Früher war ich dann vor den Kopf gestoßen, wenn ich beleidigt und angegriffen wurde. Ich habe die Welt nicht mehr verstanden und den Menschen als bedrohlich erlebt, der mich so anging.
Wenn mir angedichtet wurde, narzisstische zu sein, weil ich nicht emphatisch auf den anderen einging.
Ich bin nicht narzisstisch und es gibt auch eigentlich keinen Punkt, der das vermuten lässt, wenn man mich denn wirklich kennt.

Und ich kann durchaus emphatisches Verhalten zeigen. Nur eben nicht wirklich bei jedem fühlen, selbst dann wenn es angebracht wäre.

Ich verstehe nicht, wenn jemand etwas fragt, warum er dann nicht die Frage beantwortet haben will.

Warum fragen Menschen „Wie geht es dir?“, wenn sie doch eigentlich gar nicht wissen wollen wie es einem geht?
Warum fragen sie andere um Rat, wenn sie eigentlich gar keinen hören wollen?
Warum fragen sie danach, weshalb andere in dieser oder jener Weise auf sie reagieren, wenn sie doch eigentlich gar nicht verstehen wollen, warum sie das tun?

Und ich?

Ich sage ihnen wie es mir geht und bin verletzt, wenn es sie nicht interessiert.
Ich gebe ihnen Rat und bin verstört, wenn sie mich dafür verachten.
Ich gebe ihnen die Erklärungen, die ich gefunden habe und fühle mich falsch, wenn sie mich dafür beschimpfen.

Millionenfach habe ich mich deshalb in mich zurückgezogen und wollte aus der Welt verschwinden.
Immer wieder war ich sicher, dass ich zu blöd für die Welt bin und es mich nicht geben sollte.

Gestern fielen sie wieder über mich her…………

Diesmal wusste ich, ich muss wieder etwas wörtlich verstanden haben, was nicht wörtlich gemeint war.
Und ich wusste, sie haben meine Worte als Angriff und Kritik verstanden, die eigentlich nur sachlich sein sollten.

Schmerzen tut es mich dennoch.
Ausgegrenzt fühle ich mich auch.
Und falsch.

Und dann habe ich mein Asperger-Buch aufgeschlagen und instinktiv gewusst, dass ich dort die Antworten finde.

Bleibt nur die Frage, ob es möglich ist, dass ein Mensch aus dem autistischen Spektrum seine ToM-Fähigkeiten verändert.

Gefühlt renne ich da in mir gegen Wände.
Dabei mag ich eigentlich nur sein dürfen wie ich eben bin.

Ich kann mir nicht vorstellen wie andere denken und fühlen.
Auch wenn ich es immer so gerne gewollt habe.

Einfach, weil ich gerne so gewesen wäre wie all die anderen, die scheinbar problemlos mit anderen im Kontakt sind.

Da wäre dann so eine Schublade „Asperger“ hilfreich gewesen.
Wenigstens hätte ich sicher gewusst, wohin ich gehöre.

Und wisst ihr, was ich manchmal denke?
Was wäre nur geworden, meine Eltern hätten ein Kind bekommen, was pflegebedürftig behindert oder erkrankt gewesen wäre……….

Schaltet lieber das Kopfkino auf aus, ehe es dahin wandert, wie das bei euch gewesen wäre.

Ich wünsche euch nun einen schönen Sonntag. 🌈💜💕💜🌈

Alltags-Wahnsinn

Stark sein …..


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Hallo und guten Morgen ihr Lieben,

Stark sein ist eine tolle Eigenschaft, solange sie Ausdruck einer wirklich empfundenen inneren Stärke ist.
Stark sein zu müssen jedoch hat wenig mit einer wirklichen inneren Stärke zu tun.
Viel mehr läßt es uns nicht die Möglichkeit zu wählen, wie wir uns verhalten wollen.

Betrachten wir das Bild eine Weile.
Hände.
Hände von Natur aus dunkel gefärbt.
Rot bandagiert.
Offensichtlich die Hände eines Boxers.
Die Bandagen sollen sie schützen.

Sehen wir aber, was sich unter dem Rot verbirgt?
Sehen wir, ob darunter möglicherweise viele Narben liegen oder gar frische Wunden?

Sehen wir, ob diese Hände in Boxhandschuhen steckten und einen Kampf bewältigt haben?
Lassen sie erkennen, ob der Kampf verloren oder gewonnen wurde?
Oder haben diese Hände möglicherweise noch nie einen Boxhandschuh gefühlt?

Menschen neigen dazu, andere schnell zu beurteilen.
Und was sie mit anderen machen, tun sie auch mit sich selbst.

Da wird der Stempel gezückt und aufgedrückt.

Es gibt sehr viele traumatisierte Menschen, die sich hinter einer starken Fassade verstecken.
Ein Schutzmantel, der ihre Verletzlichkeit zu verstecken versucht.
Oder auch Angst davor, die Gefühle zu fühlen.
Weil sie schlicht überwältigend sind für jemanden, der nicht lernen durfte, sich selbst zu beruhigen.

Wie ist das bei euch mit Trauer?
Wie geht es euch damit, wenn ihr etwas Geliebtes verloren habt?

Erlaubt ihr euch zu trauern?
Gestattet ihr euch dennoch auch zu lachen und zu leben?

Ich erinnere mich an den ersten Verlust in meinem Leben.
Ich habe still getrauert…….. weil ich ermahnt wurde, mich jetzt mal zusammenzureißen. Schließlich käme der alte Hund auch nicht wieder zurück, wenn ich heule.
Dann war ich stark.
Und stellte derweil das Essen und Sprechen ein.

In unserer Familie hatte nur einer das Recht zu trauern.
Mit Tränen, damit auch jeder sieht, dass sie trauert.
Oder auch mit Tränen, die ihre Verzweiflung zeigten.

Jeder andere wurde von ihr verurteilt, zeigte er Tränen.
„Hab dich nicht so, reiß dich gefälligst zusammen!“

Wenn sie sich schwach zeigte, hatte ich stark zu sein.

Wenn sie zum Kind wurde, hatte ich erwachsen zu sein.

So lief das.
Und so gestaltete sich mein weiteres Leben.

Ich war die, die die anderen wollten.
Auch wenn ich häufig unzufrieden war und rebellierte. Dennoch passte ich mich in die zugeschriebene Rolle ein, sofern ich in Angst war, sonst einen Kontakt zu zerstören.

Bist du schwach, übernehme ich die Rolle der Starken.
Bist du verzweifelt, zeige ich dir Zuversicht und Klarheit.
Zeigst du zu viel an Gefühl, gleiche ich es durch Abstand aus.

Ich habe nicht gewählt, etwas sein zu wollen.

Alles was ich gewählt habe, war die Suche nach Liebe.

Ich war die Erwachsene für meine Mutter, damit sie eine starke Schulter hatte auf der sie sich aufstützen konnte.

Weil ich hoffte, sie würde mich dafür lieben.

Schwach zeigen mag ich mich nur da, wo ich bleiben darf wie ich wirklich bin.

Dann wickle ich die Bandagen von den Händen und lasse meine Wunden und Narben sichtbar werden.

…….

Ich wünsche euch einen entspannten und schönen Samstag. 🌈💜💕💜🌈

Alltags-Wahnsinn

Mobbing ist unreifes Verhalten


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Hallo und guten Morgen ihr Lieben,

immer immer wieder ecke ich an, weil ich meine Klappe nicht halten kann. Weil ich ständig zu einfach allem was zu sagen habe, weil………….

Nein, ganz so stimmt das nicht.

Ich erzähle euch etwas.

Wir buchen seit vielen Jahren fast ausnahmslos unseren Urlaub über den immer selben Anbieter. Die wenigen Ausnahmen waren auch nicht gerade erfreulich, weshalb es auch nur Ausnahmen waren.

Nun, die Coronakrise hat so einige Menschen und Unternehmen in Existenznot gebracht. Und wie das in solchen Krisen ist, vergessen nicht gerade wenige, dass sie nicht alleine in Not sind.

Als das alles anfing, im März hier in Deutschland, und reisen nicht mehr problemlos möglich war, war unser Urlaub gerade seit wenigen Tagen gebucht. Also setzte auch bei mir die Gedankenmaschinerie ein: „was ist wenn?“. Ist das Geld dann weg? Was passiert denn dann? Sollten wir direkt den Urlaub wieder stornieren, weil möglicherweise bis Oktober noch immer reisen nicht möglich sein wird?

Ein Blick in die AGB’s des Anbieters verriet, dass „höhere Gewalt“ nicht versichert ist und die normalen Stornierungsfristen gelten. Puuuh…… und das wo ja sozusagen täglich alles verändert wird. Denn genau so war das im März, April, Mai……..
Aber nun ja, im Zweifel fällt der Urlaub aus und das Geld ist weg. So ist das leider.

Nun.
Dieser Anbieter hat sich angestrengt und versucht, den Spagat zwischen eigenen Interessen und denen der Kunden hinzukriegen. Mit Weitblick auf die Zukunft und gleichzeitigem Blick auf das was aktuell gegeben ist.
Und sie wurden zum „Buhmann“ vieler im Internet.

Menschen hatten Osterurlaub gebucht und durften dann nicht reisen.
Reisen wurden storniert.
Weltweit.
Vor Wochen, Monaten.
Gelder teilweise noch nicht zurückerstattet.
Und dann fangen sie an zu hetzen.
Unter jedem Beitrag der von diesem Anbieter gepostet wird, folgen Kommentare, die aller Welt erzählt, wie scheiße die sind und wie kriminell.

Ich habe das viele Monate gelesen.
Immer wieder.

Irgendwann war mein Maß voll.
Irgendwann habe ich kommentiert.
Und mich damit in die Nesseln gesetzt.

In selbigen wäre ich nicht gelandet, hätte ich die Klappe gehalten.
Und ich wäre dort auch nicht gelandet, hätte ich den Schimpfenden zugestimmt.

Diese Geschichte mit dem Reiseanbieter ist nur eine von vielen, die ich erlebe.

Menschen fühlen sich benachteiligt und fangen an gegen die zu kämpfen, durch die sie sich benachteiligt fühlen. Und weil sie sich alleine zu schwach fühlen, suchen sie in der Gemeinschaft nach Verstärkung. Raufen sich zusammen.

Und ich?

Ich habe in meinem ganzen Leben nicht ertragen, wenn Mobbing geschieht.

Denn genau das ist es, wie Mobbing sich entwickelt.

Einer ist enttäuscht, weil er nicht bekommt was er gerne hätte oder sich erhofft. Und dann beginnt er zu kämpfen, bis der vermeintliche Feind niedergetrampelt ist oder er bekommen hat was er begehrt.

Das findet überall statt, wo Menschen Enttäuschung erleben und damit nicht erwachsen umzugehen gelernt haben.

Ich erinnere mich an Gegebenheiten meiner Kindheit, wo Kinder zu Eltern liefen, wenn ich ihnen nicht geben wollte was mir gehört.
Nichts anderes geschieht, wenn Erwachsene sich Verbündete suchen. Sie rennen zu den anderen, damit sie ihnen helfen, ihren Wunsch durchzusetzen.
Ich habe Kinder erlebt, die andere gehauen haben, damit sie ihren Willen bekommen.
Nichts andere geschieht, wenn mit Worten beschimpft und beleidigt wird.
Und ich habe Kinder erlebt, die anderen erzählten: „Nee, mit der spiele ich nicht, die nimmt einem immer alles weg. Die ist doof. Mit der darfst du nicht spielen.“
Heute sind sie zu den Erwachsenen geworden, die im Internet kommentieren: „Der Anbieter ist kriminell, der zahlt das Geld nicht zurück und bietet mir keine drei Jahre freie Buchungsmöglichkeit, für den versäumten Urlaub. Bei dem darfst du nicht mehr buchen.“

Geht man mit ihnen in Kommunikation erlebt man nichts als fanatische Kämpfer auf dem Niveau eines Kindes, was seinen Willen nicht bekommen hat. Oder schlicht Panik hat, Urlaubsgeld nicht erstattet zu bekommen, weil der Urlaub storniert werden musste.

Ganz gleich, ob das nun im juristischen Sinn alles so sein darf oder nicht.
Menschlich ist das ein Niveau bei dem ich erschreckend feststelle, wie sehr Mobbing offensichtlich ein unreifes, kindliches Verhalten ist.
Und wie sehr die Masse auf den Zug aufspringt und ihr Mitmachen rechtfertigt.
So heizen sie sich gegenseitig auf.

Und ich stehe da und höre mir an: „Ich möchte Sie mal erleben, wenn……….“

Und sie versuchen bei mir dasselbe Mobbing wie sie es auch sonst bei jedem anwenden, der ihnen nicht zuredet.
Weil sie es nicht anders gelernt haben.
Weil sie nur diesen einen Weg kennen.

Ich ecke an, weil ich einen anderen Umgang mit Notsituationen habe.

Und ich ertrage nicht das Vorgehen von derartigen Kämpfern, die sich zu ganzen Gruppen von Tätern verbünden und sich dabei immer berechtigter empfinden, je mehr sie werden.
Denn es geht dabei im Hintergrund um nichts als Macht.
Sie versuchen die scheinbar Mächtigen mit Übermacht zur Strecke zu bringen.

Da mag ich mich nicht beteiligen.
Und ich mag den auch nicht schweigend zusehen.

Auch nicht bei denen die alle in Schubladen sortieren….. aber dazu dann vielleicht ein anderes Mal mehr.

Ich wünsche euch nun einen schönen Freitag und einen guten Start ins Wochenende.
🌈💜💕💜🌈

Alltags-Wahnsinn

Seele hat geschlossen


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Hallo und guten Morgen ihr Lieben,

nun ist die treue Hundeseele auf ihre letzte Reise gegangen.
So schnell.
So nicht begreifbar für die Seele.

Seit wir sie gestern Abend verabschiedet haben, fühle ich nichts mehr.
Einzig ein schreckliches Vibrieren in meinem ganzen Körper.
Keine Tränen.
Keine Gefühlsregung.
Ich habe nicht mal gefühlt, dass meine Blase voll war.

Ich kann es also doch noch ganz automatisch.
Mich durch Dissoziation schützen, wenn etwas zu viel ist.

Ich schalte ab und funktioniere.
Ich tue, was von mir erwartet wird.
Bist du schwach, zeige ich mich stark.

Nur dass ich eben gar nicht stark bin.

Ich wirke nur so, weil ich das Zuviel und mich ausgeschaltet habe.

Das Vibrieren in meinem Körper ist geblieben.
Die ganze Nacht.
Ich bin damit eingeschlafen und wieder aufgewacht.

Meine Seele scheint im Schockzustand.

Ich versuche zu atmen.
Nicht mehr.
Nur atmen.

Niemand merkt mir die Trauer an.
Ich funktioniere einfach beständig weiter.
So wie ich es als Kind gelernt habe.
Eben „nur keine Schwäche zeigen“.

Ich hoffe sie findet Ruhe und Erleichterung, dort wo ihre Seele hingeflogen ist.

Und doch wirkt für mich alles als hätte das nicht stattgefunden und sie wird mir wieder freudig entgegenlaufen und mir die Wange lecken.

Es ist als wäre meine Seele zu voll, um noch etwas aufzunehmen.
Als hätte sie derzeit geschlossen.

Es ist heute Donnerstag.
Der Tag an dem ich mich spritzen muss.
Scheint alles so unwirklich………

Ich wünsche euch einen angenehmen Tag, einen von der Sorte, die spürbar und dennoch leicht wie eine sanfte Brise sind.
🌈💜💕💜🌈

Alltags-Wahnsinn

Ein Tag in Paris


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Hallo und guten Morgen ihr Lieben,

gefühlt ist es schon so lange her als wäre es ein anderes Leben gewesen, in dem ich durch die Straßen von Paris ging. Und dennoch kann ich mich so nah erinnern, als wäre ich in diesem Moment dort.

Mein Körper erinnert sich an die Schwere in den Beinen, von den vielen Stufen, die wir gehen mussten, nachdem wir nach stundenlanger Busfahrt in der Stadt angekommen waren.
Er erinnert sich an das Plätschern der Seine, als wir dort am Ufer spazieren gingen.
Der Duft von frischen Croissants und leckerem Café au lait, in diesem kleinen Café direkt in der Nähe des Eiffelturms.
Ich kann noch die leckeren Sandwiches aus Montmartre schmecken und den Milchschaum auf meinen Lippen.
Spüre die prickelnde Wärme des heißen Sommertages auf meiner Haut und die angenehmen Schatten, den wir im Park auf einer Bank suchten.

Ich kann das bewusst erinnern, wenn ich das will.
Und dennoch scheint es wie ein anderes Leben.

Eines in dem ich so frei schien.

Es war eine Zeit bevor ich re-traumatisiert war.
Eine Zeit die weniger von Angst bestimmt war als einige Zeit davor und danach es gewesen war.

Es war eine Zeit in der ich versucht habe normal zu leben, während nichts normal war.

Heute hilft die Erinnerung daran, Tage und Zeiten zu überstehen, die schwierig sind.

Ohne Frage, war da nicht alles wunderbar und toll.
Es war auch kein anderes Leben.
Keines in dem ich nicht auch traumatisiert war.
Und dennoch war ich unbeschwerter als in vielen anderen Zeiten.

Damals dachte auch niemand an irgendeine Gefahr.
Da war noch das gefährlichste, dass ich mich auf einen Metro-Schacht stellte, um ein gutes Foto zu machen und mir dabei durch das Belüftungsgitter auf dem ich stand, der Windzug das T-Shirt hochwehte. Und das alles genau gegenüber des Moulin Rouge.

Terroranschläge waren da noch weit weg.

Die mir geschehenen Traumata waren da und doch nicht da.

Ich war dort in Begleitung eines Mannes, der 24 Jahre älter war als ich und mein Vater hätte sein können. Er himmelte mich an. Für eine Weile. Und ich war einige Zeit nicht allein.

Diese zwei Tage Paris waren es dennoch wert.
Für all die lebhaften Erinnerungen in meiner Seele.

Auch wenn die Erinnerung an seine Nähe noch immer in mir einen gewissen Ekel hervorruft, den er nicht verdient hätte.

Damals war eben eine Zeit in der Trauma ganz weit verbannt war aus meinem Bewusstsein.

Ich habe stattdessen die Folgen einfach ausgelebt, ohne sie zu fühlen.
Nicht den Ekel.
Nicht den Missbrauch.
Nicht wie ich meinen Körper geopfert habe, um ein wenig Glücksgefühl zu bekommen.

Und dennoch erinnere ich mich gerne zurück an diesen heißen Sommertag in Paris.

Er gehört zu meinem Leben.
Seine Sonne so wie sein Schatten.

Ich wünsche euch einen angenehmen Mittwoch, einen vielleicht letzten Sommertag in diesem Jahr.
🌈💜💕💜🌈

Alltags-Wahnsinn

Wer auf der Überholspur ist, will nicht stehenbleiben


Bildquelle: https://www.facebook.com/MagazinAuszeit/photos/a.551614744967369/3069659896496162/?type=3

Hallo und guten Morgen ihr Lieben,

ich werde wohl nie vergessen, wie ich 2002 die Vorgespräche für eine stationäre DBT hatte.
Das war so eine Zeit, in der ich die Schnauze voll hatte von DIS und der Perspektivlosigkeit die sich daraus ergab. Denn an die ursächlichen Traumata wollte ja niemand mit mir ran. Und alles andere schien mir nur viel zu erzählen, was ich alles können müsste und sollte, aber ich bekam es eben nicht alleine umgesetzt.
Nun also bediente ich mich der fälschlich gestellten Diagnose Persönlichkeitsstörung vom Borderline Typ, um Zugang zur DBT zu erhalten und so eine Chance zu haben, mir selbst zu helfen.

Es ging um Stresstoleranz, was eben ein Modul der Therapie ist.
Im Vorgespräch schilderte die Therapeutin es mir so, als ginge es um Beschäftigung, die meinen Stresslevel wieder runterfährt.
Und ich entgegnete ihr, dass Beschäftigung mein geringstes Problem ist.
Ich habe eher die Schwierigkeit, mich nicht zu beschäftigen.
Nun, in der DBT geht es um gezielte Beschäftigung, um Skills, die das „innere Drama“ helfen zu regulieren.

Im Prinzip ein sehr guter Ansatz.
Aber eben nur im Prinzip.

Denn hätte die Therapeutin nicht nur von Borderline Ahnung gehabt, sondern auch von dem oft zugrundeliegenden Traumata und was sie bewirken, hätte sie verstanden, was ich damals noch nicht zu verstehen vermochte.

Ein Kind, was emotional vernachlässigt wird, kann nicht lernen, seine Emotionen selbst zu regulieren, zumindest nicht in einer „gesunden“ Weise. Noch zumal wenn es zusätzlich anderen traumatisierenden Situationen ausgeliefert ist und durch sie erfährt, dass es komplett überfordert ist.

Nun, was ich, und mit mir auch viele andere, gelernt habe, war zu flüchten.

Ich habe gelernt, etwas zu tun, um mit mir nicht in Kontakt sein zu müssen. Etwas machen, was mich so sehr beschäftigt, dass ich das „innere Drama“ nicht mehr fühlen muss.
Da das aber eben an diesem „inneren Drama“ nichts verändert, bedeutete es zunehmend, dass ich beständig in Beschäftigung sein musste, wollte ich nicht von Emotionen überrollt werden.

Also Tag und Nacht auf der Flucht sein.
Denn war ich am Tag gut beschäftigt, kam in der Nacht alles hoch.
Entsprechend folgten Nächte in denen ich angespannt schlief.
Und angespannter Schlaf bringt keine Erholung.
Entsprechend stieg der Stress von Tag zu Tag und mit ihm musste ich auch noch mehr flüchten.

Ich war sozusagen mit Vollgas auf der Überholspur unterwegs. Nur eben ohne Ziel. Sondern nur weg.

Die DBT hat mir viele Skills gezeigt, die jedoch alle gar nicht wirksam sein konnten.
Denn zu dieser Zeit wäre es für mich das Schlimmste gewesen, mich selbst zu beruhigen und dann mit mir in Kontakt zu kommen.

Ich will damit Skills nicht verteufeln.
Was auch Quatsch wäre, weil letztendlich jede meiner Beschäftigungen ein Skill war und sein kann. Sofern ich eben bewusst einer Beschäftigung nachgehe, um meine Gefühle zu regulieren.
Aber zu der damaligen Zeit hatte ich panische Angst davor, meine Gefühle zu regulieren.
Denn dieses „innere Drama“ brauchte ich als Ablenkung von dem zugrundeliegenden Seelenschmerz.
Hätte ich also das „innere Drama“ beruhigt, wäre ich konfrontiert gewesen mit dem Seelenschmerz.
Denn der lag zu dieser Zeit wie ein offenes Meer auf dem Grund meiner Seele. Jederzeit bereit, mich zu überfluten.

Heute kann ich mich je nach Situation einigermaßen selbst regulieren.
Ich muss nicht mehr flüchten.
Ich kann gut auch mal innehalten und fühlen was da in mir ist.
Brauche nicht Dauerbeschäftigung und schlafe nicht mehr jede Nacht angespannt.

Weil ich behutsam gelernt habe, dass ich in den Emotionen nicht ertrinke.
Sie bedrohen mich nicht mehr.
Also muss ich auch nicht vor ihnen fliehen.
Ich kann sie anschauen und mit ihnen sprechen.

Und wenn sie dann doch mal zu viel werden, kann ich sie durch gezielte Skills ein wenig regulieren, so dass sie mich nicht so sehr überfluten.
Jetzt funktioniert das mit den Skills, was ich damals lernen sollte.
Es war nur einfach viel zu früh.

Ich wünsche euch nun einen schönen Dienstag. 🌈💜💕💜🌈

Alltags-Wahnsinn

Brandmal auf der Seele


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Hallo und guten Morgen ihr Lieben,

Freitagabend, ich hatte eigentlich wenig Hunger, aber mein Verstand erinnerte mich daran, wie die Panik ausartet, wenn ich ohne Essen schlafen gehe.
Meine Suche nach etwas, worauf ich Lust haben könnte, endete immer wieder erfolglos.
Facebook zeigte mir pausenlos geteilte Beiträge von leckerer Pizza.

Ich könnte ja einfach eine bestellen.
Wenn „einfach“ denn auch wirklich einfach wäre.
Kein Ding, sie auszuwählen und einfach online ohne ein Wort sprechen zu müssen, zu bestellen.

Aber dann würde ich warten und ich würde unruhig werden und all diese schrecklichen Gefühle wären da…………

Ich habe mich dennoch dafür entschieden.
Und habe den ganzen Berg an Gefühlen erlebt.
Mich gefühlt wie ein Betrüger, der Ware bestellt, die er nicht bezahlt.
Obwohl ich bereits online bezahlt hatte.

Wäre am liebsten weggelaufen, eher der Lieferbote klingelt.

Trotzdem habe ich es hinbekommen.
Und die Pizza war total lecker.

Nur das Beben in mir verging nicht.

„Wie bescheuert? Was stelle ich mich so an?“, hätte ich mich beschimpfen können.

Habe ich aber nicht getan.

Ich habe versucht in mich zu lauschen. Zuzulassen, dass die Erinnerung mir den Weg zur Antwort auf das Warum zeigt.

Mich gefühlt, wie ich als Kind beauftragt war, ein Paket anzunehmen und das Geld nicht reichte. Wie ich gezwungen war, zu betteln, dass sie es dennoch da läßt. Und meine Mutter derweil in der Küche wartete.
Ich erinnerte, wie ich danach nicht mehr zur Tür gehen wollte. Wie ich keine Pakete mehr annehmen wollte und nicht mehr für andere etwas erledigen mochte.

Meine Mutter hatte mich zur Verbrecherin gemacht.
So hat es sich in mir angefühlt.
Als hätte ich wissentlich betrogen.

Dieses Gefühl rennt mir hinterher.

Wenn ich einkaufe.
Wenn ich ein Paket bekomme.
Wenn ich beim Bringdienst etwas bestelle und es entgegennehmen muss.
Wenn ich beim Arzt um ein Rezept oder Ähnliches bitten und es abholen muss.

Es rennt mir hinterher und läßt Panik aufsteigen.

Auch wenn mein Kopf mich erinnert, dass heute alles anders ist.

Es ist dieses Brandmal auf meiner Seele.

Sie hat mich zur Lügnerin gemacht.
Zu ihrer Komplizin.

😥😶

Ich wünsche euch einen entspannten Start in die Woche, einen schönen Montag. 🌈💜💕💜🌈

Alltags-Wahnsinn

Dich gehen lassen


Hallo und guten Morgen ihr Lieben,

loslassen.
Abschied nehmen.

Menschen reagieren sehr unterschiedlich darauf, wenn sie spüren, dass ein Abschied naht.

Mancher mag Augen und Ohren verschließen.
Verliert sich in Ablenkung und überspielt die Trauer durch Heiterkeit.
Während ein anderer von Tränen überspült wird.
Ein wieder anderer meint, noch auf den letzten Metern alles gut machen zu müssen, was zuvor versäumt wurde.
Während ein anderer verstummt und sich in sich zurückzieht.
Und es gibt genauso Menschen, die laut und anklagend trauern.
Menschen, die in solchen Zeiten eher wütend scheinen als traurig.
Auch sie trauern.

Ich habe nie laut getrauert.
Dafür habe ich wohl zu sehr gelernt, weitergehen zu müssen und mir nichts anmerken zu lassen.

Doch das Leben mit all seinen Erfahrungen hat in mir Narben hinterlassen.
Abschiedsnarben.

Auch Erfahrungen, dass Abschiede manchmal Neues hervorbringen, wofür es gut war, dass etwas anderes gehen musste.

Und dennoch, keiner der war, geht ohne Schmerz zu hinterlassen bei denen die zurückbleiben.

Manchmal zieht sich ein Abschied über quälend lange Monate und Jahre in denen Schmerz scheinbar verblasst. Und dennoch, betrachte ich die Narbe auf meiner Seele, erinnere ich die Tränen, die ich fühlte. Selbst dann, wenn ich sie nie geweint habe.

Ein anderer Abschied kommt viel zu schnell und unerwartet. Kriecht plötzlich um die Ecke und ist da. Viel zu früh. Viel zu plötzlich.

Ich würde gerne die Zeit zurückdrehen.
Nochmal andere Wege finden.

Noch einmal mit dir durch die Dünen laufen und mir den Weg von dir weisen lassen. Immer in der Zuversicht, dass du die beste Bergführerin der Welt bist.
Ich mag noch einmal jeden Schritt über diese Kieselsteine in der Bretagne mit dir auf meinen Armen laufen. Dir noch 1000 Mal aus meiner Wasserflasche zu trinken geben.
Ich mag dich in meinen Armen halten und dir immer immer wieder in dein Ohr flüstern, wie lieb ich dich hab.

Nur die Qual in deinem Blick, die ertrage ich nicht.
Dich abgemagert zu sehen, wie du einst zu uns kamst, zerreißt mir das Herz.

Ich habe all die Jahre vergessen, dass es nur eine Sache gab, die dich beruhigen konnte, als du vor zehn Jahren zu uns kamst.
Damals, als du bei jedem Schritt, den wir uns vom Haus entfernten, mit aller Kraft zurückgehen wolltest. Als ein Spaziergang von 1000 Metern anstrengte als würden wir einen Marathon laufen. Dich genauso wie uns.
Als du empört um den Tisch gelaufen und aus Protest in die Wohnung gemacht hast, weil du dachtest, du müsstest hungern.
Damals, als du auf dem Rücksitz des Autos auf der ersten Fahrt zum Tierarzt dermaßen in Angst warst, dass ich dich vorne mit den Zähnen klappern hörte.
Als wir anhielten, damit ich dich auf meinen Schoß legen konnte.

Es gab nur eines, was dich beruhigen konnte.

Ein Pulli von mir, unter dem du dich einkuscheln konntest.
Mein Geruch.
Meine gefühlte Wärme.

Es tut mir unendlich leid, nicht an deiner Seite geblieben zu sein.
Nicht so, wie du es wohl gebraucht und gewünscht hast.

Mir ist nie entgangen, wie deine Augen strahlen, wenn du mich siehst.

Selbst jetzt strahlen sie noch, wo du weißt, dass es kaum noch Hoffnung gibt.

Ich mag dich in meine Arme schließen und dich halten, damit du keine Angst hast, wenn du einschläfst und dich auf deine letzte Reise begibst.

Auch wenn ich mich so unendlich stark zeige.
Mein Herz weint.
Und mein Herz mag nicht loslassen.
Einzig mein Bauch weiß darum,

dass die Zeit des Abschieds gekommen ist.

🖤🥀🖤

Ich wünsche euch allen einen angenehmen Sonntag. 🌈💜💕💜🌈

Alltags-Wahnsinn

Es geht keinen was an…..


Hintergrundbild: https://pixabay.com/de/users/pexels-2286921/

Hallo und guten Morgen ihr Lieben,

in meinem Kopf wiederholen sich die Szenen, wie wir beim Abwasch stritten und sie hektisch die Fenster schloss, weil „nicht die ganze Nachbarschaft hören muss, was wir hier schreien“.
Ich erinnere ihre eindringliche Drohung als sie erfahren hat, dass ich mit meinem Hausarzt vertrauliche Gespräche außerhalb der Sprechzeiten führe.

Es ging halt niemanden was an, was bei uns zuhause los war.
Ich hatte außerhalb der Familie kein Wort darüber zu verlieren.

So schwieg ich.

Ich schwieg 30 Jahre und mehr über all das was sie mir angetan hat.

Ich ging in die Therapien, weil ich sexuell missbraucht worden war.
Von einem Freund der Familie.
Einmalig durch meinen Bruder.

Meine erste Therapeutin wollte unbedingt meine Mutter ins Boot holen, weil doch jede Mutter ihr Kind liebt und schützen will.
Ja, sie als Mutter war überzeugt, dass meine Mutter nichts davon weiß was mir geschehen ist und entsetzt sein wird.

Aber es war wie immer.
Meine Mutter vergoß Tränen, ertrank in Selbstmitleid und bekam therapeutische Hilfe angeboten, während ich die Zähne zusammenbiß und runterschluckte.

Ich schwieg und schwieg.

Denn eine Mutter tut sowas nicht.

Doch darum ging es gar nicht. Das fütterte nur in mir den Zweifel daran, dass wahr ist, was ich erinnerte.
War wohl alles nur meine Phantasie.
Meine verquere Wahrnehmung.
Ich hatte die Schläge verdient und es war ja ihre Pflicht, mich so zu erziehen, dass ich die Regeln beherrsche und im Leben zurechtkomme.
Wenn ich dennoch nicht klarkomme, dann deshalb, weil ich mich nicht genug anstrenge. Weil ich dumm und faul bin.

Ich weiß gut, wie es war, als sie meine Tagebuchaufzeichnungen gelesen hat und entsetzt darüber war, dass ich mit meinem Hausarzt über die Familie spreche.
„Das geht den nichts an, was hier in der Familie ist!“
Ich erinnere, wie sie meinen Vater heimlich beobachtet und verfolgt hat, weil sie Sorge hatte, er könnte verbotene Dinge tun.

Verboten war alles, was sie entlarven könnte.
Verboten war jedes wahre Wort über das, was hinter den verschlossenen Türen ihres Hauses geschah.
Wir hatten mit niemandem darüber zu sprechen.
Taten wir es doch, überführte sie uns als Lügner, um ihre Haut zu retten.

Ich war also die Lügnerin.
Ich war die, die Straftaten begann und zu erziehen war.
Ich war zu bestrafen, damit ich lerne was richtig ist und was falsch.

Ich habe gelernt, zu rennen, wenn ich Wahrheit ausspreche.
Ich habe gelernt zu laufen, wenn ich mit anderen über etwas spreche.
Ich habe gelernt die Klappe zu halten und zu schlucken, bis ich nicht mehr schlucken kann und krank werde.

Und manchmal bleibe ich erstarrt stehen und lasse geschehen.

Erstarrt wie ein Tier in der Falle.

Und dann mache ich „normal“ weiter.
Weil „normal“ sie besänftigt hat und mich vor ihrer Bestrafung schützen konnte.

„Normalität“ ist die scheinbare Einsicht meiner Fehler.
Und in Wahrheit ist sie nur der Ausdruck meiner Angst.

Ich funktioniere noch immer als Opfer.
Man muss nur die passenden Knöpfe drücken.

Ich wünsche euch einen angenehmen Samstag.
🌈💜💕💜🌈

Alltags-Wahnsinn

TRIGGER


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Hallo und guten Morgen ihr Lieben,

Trigger ist ein häufig verwendeter Begriff, unter dem nicht alle Menschen dasselbe verstehen.
Für mich hat dieses Wort üblicherweise die Bedeutung einer heftigen Erinnerung an ein vergangenes Erlebnis.
Für meine Physiotherapeutin bedeutet es aber üblicherweise das Auslösen einer Reaktion meines Körpers.

Begriffe werden schlicht in sehr unterschiedlicher Weise verwendet.
Auch wenn wir alle von dem selben Bereich sprechen.
Trigger ist nicht gleich Trigger.

Der eine empfindet es als getriggert, wenn Gefühle wie Traurigkeit ausgelöst werden.
Ein anderer verwendet diesen Begriff, wenn es um lebhafte Erinnerungen geht, die nicht von der Realität zu unterscheiden sind.

Traumatische Erinnerungen können sich auf sehr vielfältige Weise zeigen.
Auch in Form von Gefühlen.
Aber nicht jedes ausgelöste Gefühl ist auch als ein getriggerter Zustand einzuordnen.

Menschen fühlen.
Und sie fühlen auch durchaus heftig, wenn etwas sie erinnert.
Und wenn jemand als Kind nicht gut lernen konnte, eigene Gefühle zu regulieren und sich zu beruhigen, dann wird jedes Gefühl was deutlich spürbar ist zu einer Bedrohung.

Entsprechend gibt es Betroffene, deren Berichte sich anhören, als seien sie beständig getriggert.

Ich persönlich finde, dass das zu differenzieren ist.

Für mich bezeichnet Trigger generell im psychologischen Sinn einen Flashback. Also ein Wiedererleben einer traumatischen Situation.
Es kann sich dabei um jede Sinnesebene handeln.
Und auch um Bruchstücke.
Eben auch nur um Gefühle oder Atmosphäre.

Aber ganz klar bedeutet so ein Trigger, dass es auf einer Sinnesebene keinen Bezug zur Realität gibt.

Kürzlich ist etwas passiert was mich getriggert hat.
Eine Situation, die ich in vollkommen anderem Zusammenhang schon einmal erlebt habe.
Damals bin ich weggelaufen.
Ganz real. Ich bin schnellen Schrittes etwa drei Kilometer gelaufen, ohne mich auch nur ein einziges Mal umzublicken.
Ich habe nichts gefühlt.
Auch nicht die Angst, die mich laufen ließ.

Warum ich gelaufen bin?
Ich wußte es nicht.
Irgendwas war bedrohlich.
So bedrohlich, dass ich panisch weggelaufen bin.
Ich hatte keine Erinnerung an irgendwas.
Nur diesen Fluchtimpuls.

Zurück.

Kürzlich in der Situation bin ich nicht gelaufen.
Ich saß dort und habe weitergeredet.
Ich habe das Thema gewechselt und die Begegnung halbwegs ruhig beendet.
Erst deutlich später sickerte über Stunden der Fluchtimpulse an die Oberfläche durch.
Ich bin getriggert.

Ich war auch damals bereits getriggert.

Mein Gehirn nimmt den Weg von heute über das Ereignis vor einigen Jahren zurück zu meiner Kindheit.

Bei Menschen mit komplexer Traumatisierung ist es oft sehr schwierig, einen Trigger einem bestimmten Ereignis zuzuordnen.
Warum?
Eigentlich liegt das auf der Hand. Aber dennoch scheinen es sehr viele nicht zu wissen.

Wenn ein Kind über viele Jahre andauernd Traumatisierungen erfährt, dann bauen Traumata aufeinander auf.
Eine Situation, die triggert, wird als erneutes Trauma erlebt und abgespeichert. Auf dieses erneute Trauma setzt sich dann wieder das nächste Trauma und darauf das wieder nächste Trauma.

Die Situation von vor einigen Jahren war ein getriggertes Traumaerleben in einer ganzen Reihe von bereits aufeinandergestapelten Traumaerlebnissen.
Das was ich kürzlich erlebt habe ebenso.

Die Trigger waren vollkommen unterschiedlich. Mein Erleben und meine Reaktion auf den ersten Blick auch.

Und dennoch bleibt das Thema dasselbe.

Ich renne los, wenn ich mich vor Strafe fürchte.

Als Kind die Treppe rauf, weil sie mich in mein Zimmer scheuchte.
Sofern es ging und ich ihr unbemerkt entwischen konnte auch so schnell es ging ins Baumhaus meines Freundes oder in die Hundehütte.
Später zu den Bahngleisen, wo ich mich dem Tod so verlockend nah fühlen konnte.
Seit ich erwachsen bin in meine Wohnung, mein Auto, in die Nähe meiner Bezugsperson.
Und im Zweifel verschwinde ich in mir, wenn ich real nicht weglaufen kann.

Ich wusste aber nichts davon, dass ich Strafe befürchte.
Alles was ich wusste war nur, dass ich weg will.

Ich habe mich auch nicht erinnert an etwas was einmal war.

Nur weg.
Nur panische Flucht.

Und das ist auch nicht weg, wenn ich den Trigger erkannt habe und verstanden habe worum es geht.

Denn ich weiß ja gar nicht, ob es gerade nicht wirklich ganz real gefährlich ist.
Ich weiß ja gar nicht, ob ich bestraft werden soll und wie diese Strafe aussehen wird.

Weil ich eben getriggert bin.

Vielleicht erleben andere Menschen Trigger anders und vielleicht beschreiben sie sie auch mit anderen Worten.

Es ist eine Art Trigger die ich kenne und erlebe.
Ich kenne noch viele andere.

Gemeinsam ist ihnen, dass ich nicht genau weiß, ob es jetzt aktuell wirklich anders ist als ich es erlebe.

Einzig die Stille in meiner Wohnung, die ist immer gleich.

Ich wünsche euch einen schönen Freitag und einen guten Start ins Wochenende.
🌈💜💕💜🌈